Es geht wieder los!
Die schwer angeschlagene DTM startet am Wochenende in ihre 21. Saison seit der Neugründung im Jahr 2000. Doch wie geht es nach der Saison weiter?
Nach dem angekündigten Ausstieg von Audi ist die Zukunft der Serie höchst ungewiss.
SPORT1 hat bei DTM-Boss Gerhard Berger nachgefragt.
SPORT1: Herr Berger, was erwarten Sie sich von der neuen DTM-Saison?
Gerhard Berger: Erwartungen habe ich keine. Nur Hoffnungen. Was ich mir wirklich wünsche ist, dass BMW und Audi gleich nach dem ersten Qualifying absolut auf Augenhöhe fahren können. Nur dann kann der Sportler, in dem Fall der Fahrer, den entscheidenden Unterschied ausmachen. Denn das ist meine Überzeugung: Der Fahrer soll im Mittelpunkt stehen, er soll mit seinen Leistungen über Sieg und Niederlage entscheiden.
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SPORT1: Können wir uns auch nach 2020 noch über eine DTM freuen, nachdem Audi für Ende dieses Jahres seinen Ausstieg verkündet hat?
Berger: Wir hoffen Lösungen zu finden, dass die Plattform auch in Zukunft besteht. Denn eins ist klar: Die DTM hat in Deutschland große Tradition und hat eine große, stabile Fangemeinde. Diese Fans haben es verdient, dass ihnen auch in Zukunft ihre Lieblingsserie erhalten bleibt. Aber am Ende liegt es in den Händen der beiden Hersteller.
SPORT1: Eine Variante könnte ja der Einsatz von GT3-Autos von Privatteams sein...
Berger: So wie die GT3-Variante in der Szene diskutiert wird, ist es Kunden-Fahrer-Sport. Die DTM soll aber auch künftig Profirennsport auf höchstem Niveau sein. Mit eigenständigen Teams und vor allen Dingen wieder mit Profirennfahrern, die zu den besten der Welt zählen. Technische Reglements haben sich immer verändert und werden sich auch in Zukunft immer wieder verändern. Aber die DNA der DTM - dazu gehören auch Sprintrennen - werden wir in den Überlegungen weiter erhalten.
SPORT1: Heißt das: Automobilhersteller müssen involviert sein?
Berger: Nein. Die DTM kann auch wunderbar mit professionellen Privatteams funktionieren, die auf höchstem Niveau arbeiten. Ob es früher Schnitzer war, HWA, Abt und Rosberg oder WRT: Das sind alles Privatteams, die auch immer wieder auf unterschiedliche Art und Weise werksmäßig unterstützt wurden. Der eine mehr, der andere weniger, der andere gar nicht.
SPORT1: Wie könnte ein solches Szenario aussehen?
Berger: Dass Audi oder BMW in Zukunft ihre Teams, die ja auch ihren Kunden und Partner sind, unterstützen, ist durchaus möglich. So wie sie das auf vielen anderen Plattformen auf der Welt auch machen. Das hätte aber nichts mit einem Werkseinsatz zu tun, sondern bedeutet lediglich, seinen loyalen und jahrelangen treuen Kunden Autos zur Verfügung zu stellen und ihnen eventuell zu helfen, den Einsatz zu bewältigen. Denn eins ist klar: Egal welches Team am Ende gewinnt, für den Fan wird es immer die Marke sein - ob Audi, BMW, Porsche, Ferrari oder Mercedes – für die er seine Fahnen schwenkt.
SPORT1: Es gibt also in der Tat noch Hoffnung?
Berger: Ja. Aber eine Abwicklung ist auch noch nicht ausgeschlossen, auch wenn das niemand will. Doch in Zeiten von Corona ist sehr schwierig, konkrete Voraussagen zu treffen.
SPORT1: Dann ist der Plan auch noch nicht gestorben, in nicht allzu ferner Zukunft die DTM mit rein elektrobetriebenen PS-Monstern fahren zu lassen? Die entsprechende Studie, die es von Ihnen ja schon gibt, war beeindruckend...
Berger: Das ist in ferner Zukunft auf jeden Fall möglich. Ob reiner Elektroantrieb, Hybrid oder Brennstoffzelle – damit muss sich jeder auseinandersetzen.
SPORT1: Trotzdem ist das derzeit noch Zukunftsmusik. Wie sehr kämpfen Sie für die DTM?
Berger: Stimmt. Jetzt geht es darum, erst mal die nächsten zwei Jahre zu überstehen. Und es geht darum, ob sich die ITR zutraut, dieses Tal zu überwinden. Ist das der Fall, dann bin ich guter Hoffnung, dass die Plattform dem deutschen Motorsport noch lange Jahre erhalten bleibt. Ich persönlich kann nur sagen: Ich setze mich dafür ein, weil ich an die DTM glaube und von der Sache überzeugt bin.


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